Gertrud-Luckner-Bibliothek

Gertrud-Luckner-Bibliothek

(in der Kirchstraße von 1990-2025)

 

1. Die Anfänge

Im September 1990 feierte Gertrud Luckner ihren 90. Geburtstag. Zu diesem Tag weihte die Gertrud Luckner Gewerbeschule eine kleine Bibliothek mit ihrem Namen ein. Gertrud Luckner war als Ehrengast selbstverständlich anwesend. Zu den zahlreichen Gästen zählte auch Freiburgs damaliger Kulturbürgermeister Thomas Landsberg. Die folgenden Jahre waren geprägt durch die kontinuierliche ehrenamtliche Arbeit einiger Lehrerinnen und Lehrer, den Betrieb der Bibliothek zu organisieren und die Bibliothek auszubauen. Dreimal musste sie wegen der Totalsanierung der Kirchstraße in den folgenden Jahren innerhalb des Hauses umziehen. Mit ihrem Tod 1995 vermachte Gertrud Luckner der Schule einen nicht unerheblichen Teil ihres Buchnachlasses – über 700 Bände – und eine erhebliche Geldsumme. Das großzügige Geldgeschenk fl0ß in den weiteren Ausbau der Bibliothek. Die akribische Durchsicht des Buchnachlasses förderte dann eine Fülle an unterschiedlichem Schriftgut zutage, darunter auch sehr persönliche Erinnerungen. Gertrud Luckner hatte es einfach ihren Büchern „anvertraut“. Gesammelt und in 10 prall gefüllten Aktenordnern katalogisiert wird es seit 2024 im Freiburger Stadtarchiv aufbewahrt.

Eröffnung der Bibliothek am 25.09.1990

 

2. Bibliotheksalltag

Mit seiner Pensionierung 2009 übernahm mit Franz Brockmeyer, ein ehemaliger Kollege der Schule, ehrenamtlich die Leitung der Bibliothek. Die bibliothekarische Erfassung der Bücher des Nachlasses sowie der aktuell angerschafften Bände – mittlerweile über 1500 – wurde durch die MitarbeiterInnen der Stadtbibliothek nicht nur erleichtert, sie wurde durch deren uneigennützige Hilfe überhaupt erst ermöglicht.  Gertrud Luckners Buchnachlass enthält vor allem literarische Werke, Arbeiten zu philosophischen, theologischen, künstlerischen Themen und Bücher  zu Israel – teilweise Geschenke israelischer Freunde und Freundinnen. Der aktuelle Buchbestand ist Gertrud Luckners Themata verpflichtet: jüdische Geschichte, NS-Zeit, Antisemitismus, Israel, christlich-jüdische Begegnungen, der nahe Osten mit seinen Konflikten, die drei großen monotheistischen Religionen, Fluchtbewegungen, Migration.
Zahlreiche Projektarbeiten zusammen mit Klassen sowohl der GLG wie der FWG trugen zur inhaltlichen Ausgestaltung der Bibliothek bei. Neben der klassischen Bibliotheksarbeit galt es, die Bibliothek in Freiburg bekannter zu machen und sie als einen gesellschaftlichen und kulturellen „Player“ zu verankern. Diesem Ziel dienten zwischen 2009 und 2025 vielfältige Aktivitäten und die Beteiligung an zahlreichen Veranstaltungen. Nur einige Beispiele:

  • Inhaltliche und organisatorische Mitarbeit beim jährlichen Austausch der Gertrud Luckner Gewerbeschule mit dem College in Beer Sheva
  • Mitgestaltung desjährlichen Gertrud Luckner Tages der Schule
  • Enge Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt der Lessing Realschule Freiburg. Sie recherchierte und recherchiert höchst erfolgreich zur jüdischen Zwangsschule in Freiburg
  • zahlreiche literarisch-musikalische Veranstaltungen mit national wie international herausragenden Künstlerinnen und Künstlern im Festsaal der Schule in der Kirchstraße
  • Beteiligung an diversen Ausstellungen
  • Mitarbeit bei den Planungen und inhaltlichen Vorarbeiten des DZNS

So war es wohl konsequent, dass die Stadt Freiburg 2023 vorschlug, die Bibliothek in das DZNS zu integrieren. Ein Vorschlag, dessen Realisierung das Bestehen der Bibliothek langfristig sichern und sie näher in die Mitte der Stadt rücken konnte.

3. G-L-B im DZNS

Mit der Eröffnung des DZNS 2025 ist die Bibliothek mit Gertrud Luckners Buch-Nachlass und einem wesentlichen Teil ihres aktuellen Buchbestandes integraler Bestandteil des Zentrums. Sie erinnert nicht nur an eine herausragende und mutige Freiburgerin, eine Widerstandskämpferin in ihrem Rettungswiderstand (Arno Lustiger). Sie fordert zugleich ein unerschrockenes Eintreten für die unveräußerlichen Menschenrechte, gerade in Deutschland.  Sein Grundgesetz gibt den Rahmen vor.

(Franz Brockmeyer)